Susanne und Katharina

Der Himmel über Berlin – Kindheit zwischen Krieg, Hunger und Hoffnung - Susanne Hoernicke

January 07, 20264 min read

Der Himmel über Berlin – Kindheit zwischen Krieg, Hunger und Hoffnung

Susanne Hoernicke

Luftbrückenkind

Geb. 1935

Ein Gespräch zwischen den Generationen
Wie ich Susanne und Katharina kennenlernte

Ich begegnete Susanne und ihrer Tochter Katharina am 8. Mai 2025 – dem 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs – während eines Gedenkgottesdienstes an der Matthäuskirche in Berlin, jener Kirche, in der ich selbst mit sechzehn Jahren konfirmiert wurde. Katharina stand neben mir, ihre Mutter Susanne direkt an ihrer Seite. Zwischen Musik, verschiedenen Ansprachen, und stillen Momenten der Erinnerung kamen wir ins Gespräch.

Ein Gespräch zwischen den Generationen

Als ich erfuhr, dass Susanne in Berlin aufgewachsen ist, fragte ich, ob sie sich an das Kriegsende erinnern könne – oder vielleicht sogar an die Zeit der Luftbrücke. Katharina lächelte und sagte, ihre Mutter habe viele Erinnerungen aus jener Zeit. Wir beschlossen, uns in der darauffolgeneden Woche zu treffen, um sie bei einer Tasse Kaffee in Ruhe über ihre Erinnerungen erzählen zu lassen.


Der Himmel über Berlin – Kindheit zwischen Krieg, Hunger und Hoffnung
Erinnerungen von Susanne Hoernicke, aufgeschrieben bei einem Gespräch in einer Konditorei in Berlin-Steglitz

Manche Erinnerungen schlafen lange – tief vergraben zwischen dem Alltag und den Jahren. Doch als ich mit Susanne und ihrer Tochter Katharina an einem kleinen Tisch in einer Berliner Konditorei saß, konnte ich beobachten, wie durch meine Fragen diese Erinnerungen nach und nach an die Oberfläche kamen: Bilder aus den Trümmern, das Flackern einer Lampe im Luftschutzkeller, der Duft eines seltenen Stücks Schokolade.

Susanne wurde 1935 in Berlin-Dahlem geboren. Als sie zwölf Jahre alt war, begann die Blockade, und ihre ersten bewussten Erinnerungen sind von der Atmosphäre der Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt. Im Café, mit einer heißen Schokolade vor sich und ihrer Tochter Katharina an ihrer Seite, kamen die Erinnerungen zurück – ausgelöst durch Fragen, durch Blicke, durch lange gespeicherte Bilder im Kopf.

Die Familie lebte zur Zeit der Blockade in Steglitz, im Anflugbereich der Rosinenbomber. Susanne erinnerte sich an das tiefe Dröhnen der Flugzeuge über ihren Köpfen – sie waren laut, fast bedrohlich, doch gleichzeitig trugen sie das Versprechen auf das Überleben. Die Flugzeuge brachten Lebensmittel, Wärme und Zuversicht in eine Stadt, die am Boden lag.

„Ich erinnere mich an die Flugzeuge während der Luftbrücke – dieses ständige Dröhnen über unseren Köpfen. Ich war zwölf Jahre alt, und obwohl wir nicht direkt am Tempelhofer Flughafen standen, wussten wir: Die da oben brachte uns Leben. Bei Festen gab es Schokolade – echte Schokolade! – und für uns Kinder war das wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. “.

Eine besonders lebendige Erinnerung war das Eintreffen eines CARE-Pakets. Ihre Mutter hatte gerade ausgesprochen, „jetzt haben wir wirklich gar nichts mehr zu essen“. Dann kam dieses Paket. Es war wie ein Wunder. Die Verwandten in Kalifornien hatten es geschickt – Olaf hieß er, ein direkter Cousin, dessen Eltern einst nach Mexiko ausgewandert waren, später in die USA. Dieses eine Paket bedeutete so viel, es war ein Zeichen von Verbundenheit über Kontinente hinweg. Jahre später schickte Susanne bis zu ihrem Tod über 34 Jahre hinweg jedes Weihnachtsfest ein Dankespäckchen zurück nach Kalifornien – ein stilles Zeichen der Dankbarkeit.

Dieses Gefühl von Fürsorge und Schutz – sei es durch ein Paket aus Übersee oder durch kleine Gesten im Alltag – zog sich durch Susannes Kindheit. Für einige Zeit war sie sogar in einem Kinderheim in Potsdam untergebracht worden, wohin ihre Eltern sie übergangsweise zum Schutz vor den Bomben auf Berlin geschickt hatten. Auch diese Zeit hat sich tief in ihre Erinnerung eingeprägt: „Metallnäpfe, die laut klapperten, wenn der Löffel hineinfiel – dieser Klang steckt mir noch in den Ohren. Nicht jeder hatte Schuhe. Ich erinnere mich an einen Mitschüler mit in Tücher gewickelten Füßen. Und ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich im Kinderheim in Potsdam saß und dachte: „Ich bin schon groß, ich muss jetzt tapfer sein“.

Seit Kriegsende hatte die Familie in ständiger Angst gelebt. Die Russen kamen mehrmals in ihre Wohnung. Susanne und ihre Schwester wurden manchmal hinter Wäschebergen versteckt oder so gekleidet, daß sie wie alte Frauen aussahen. Ihre Mutter zeigte eine Stärke, die Susanne ihr Leben lang bewunderte.

Die Erlebnisse jener Jahre haben Spuren hinterlassen. Noch heute spürt Susanne eine tiefe Unruhe in der Nähe von lauten oder aggressiven Männern – ein Echo der Bedrohung von damals. Und doch war dieses Gespräch geprägt von Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Luftbrücke und für die Menschen, die halfen, ein Leben in Freiheit führen zu können.

„Wenn die Amerikaner uns damals nicht versorgt hätten, wären wir vielleicht auf der anderen Seite gelandet – und unser Leben wäre ganz anders verlaufen“, sagt sie leise.

Ein Gespräch zwischen den Generationen

Im Café wurde aus einer zufälligen Begegnung ein Moment des Erinnerns. Aus Fragmenten eine Geschichte. Und aus einer Geschichte ein Beitrag, der zeigt, wie viel Mut, Hoffnung und Menschlichkeit selbst in den dunkelsten Zeiten möglich sind.

Bibi LeBlanc is an entrepreneur and world traveler with a passion for storytelling and creating community.  

As the founder and CEO of Culture to Color, she uses her experiences to create Explainer Books™ as marketing tools for businesses, organizations, and destinations, bringing the beauty and diversity of the world to new audiences. She is a #1 Amazon Bestseller and has won numerous book awards. 

With her camera as her loyal companion, Bibi travels the world seeking out new people and cultures, always eager to hear their stories and create connections, adding color to the world one story at a time.

Bibi LeBlanc

Bibi LeBlanc is an entrepreneur and world traveler with a passion for storytelling and creating community. As the founder and CEO of Culture to Color, she uses her experiences to create Explainer Books™ as marketing tools for businesses, organizations, and destinations, bringing the beauty and diversity of the world to new audiences. She is a #1 Amazon Bestseller and has won numerous book awards. With her camera as her loyal companion, Bibi travels the world seeking out new people and cultures, always eager to hear their stories and create connections, adding color to the world one story at a time.

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